Sie sind nicht angemeldet.

Lieber Besucher, herzlich willkommen bei: Panorama Community. Falls dies Ihr erster Besuch auf dieser Seite ist, lesen Sie sich bitte die Hilfe durch. Dort wird Ihnen die Bedienung dieser Seite näher erläutert. Darüber hinaus sollten Sie sich registrieren, um alle Funktionen dieser Seite nutzen zu können. Benutzen Sie das Registrierungsformular, um sich zu registrieren oder informieren Sie sich ausführlich über den Registrierungsvorgang. Falls Sie sich bereits zu einem früheren Zeitpunkt registriert haben, können Sie sich hier anmelden.

1

Dienstag, 15. August 2017, 13:55

Panorama mit natürlicher Perspektive? Anfängerfragen

Ich bin noch recht neu in der Panoramafotografie, deshalb habe jetzt gerade zu Anfang ein paar Fragen. Ich hätte gerne in Erfahrung gebracht, ob mit einem Nodalpunktadapter ein im Vergleich zu einem mit Shift-Objektiv gemachtem Panorama identisches Ergebnis möglich ist. Ist mit einem Nodalpunktadapter + normalem Objektiv mit dem gleichen Bildwinkel ein ebenso verzerrungsfreies "gerades" Ergebnis möglich?

Falls dies nicht der Fall ist, könnt Ihr mir einen Shift-Adapter zu meiner Pentax K-1 empfehlen? Gerne möchte ich möglichst weit shiften können. Bei Zörk Film und Fototechnik habe ich einen Adapter mit je 20mm Verschiebeweg gesehen. Gibt es noch mehr?

Gerne möchte ich Panoramen erstellen, die möglichst natürlich aussehen. Also in der Bildwirkung natürlich erscheinen. Im Kleinbild Bereich scheinen mir 40mm Objektive eine natürliche Bildwirkung zu haben. Kann ich also davon ausgehen das ein adaptiertes 40mm Mittelformat Objektiv die gleiche Bildwirkung hat? Durch das shiften möchte ich die natürliche Perspektive erhalten, aber sozusagen das Bild erweitern. Ist mein Ansatz so richtig?

Danke!

soulbrother

Mega-User

Beiträge: 839

Wohnort: München

Beruf: Werbe- und Panoramafotograf, Fototrainer

  • Nachricht senden

2

Mittwoch, 16. August 2017, 12:04

... ob mit einem Nodalpunktadapter ein im Vergleich zu einem mit Shift-Objektiv gemachtem Panorama identisches Ergebnis möglich ist.

Warum sollte es das nicht sein. Beide Methoden basieren darauf, mehrere Teilbilder mit kleineren Bildwinkeln, zu einem Panoramabild mit einem größeren Bildwinkel zu stichen.
Es spielt keine Rolle, welches Objektiv dabei verwendet wird.
Klingt für den Einsteiger nicht schlüßig, ist aber so.

Ist mit einem Nodalpunktadapter + normalem Objektiv mit dem gleichen Bildwinkel ein ebenso verzerrungsfreies "gerades" Ergebnis möglich?

Ja, das ist es.
Natürlich gibt es einiges zu beachten, aber prinzipiell ist es egal, ob das "Geraderichten" per Shiftobjektiv "vorher" erfolgt, oder erst später in der Bildbearbeitung.


Falls dies nicht der Fall ist, könnt Ihr mir einen Shift-Adapter zu meiner Pentax K-1 empfehlen? Gerne möchte ich möglichst weit shiften können. Bei Zörk Film und Fototechnik habe ich einen Adapter mit je 20mm Verschiebeweg gesehen. Gibt es noch mehr?

Falls Du bei den Aufnahmen bereits die Zeit hast um zusätzlich noch das Shiftobjektiv zu bedienen
und falls Du mit den Bildern auskommst ohne ein Panorama zu erstellen, dann ist die Methode sinnvoll.

Falls Du aber ein Shiftobjektiv willst, um dies hauptsächlich für gestichte Panoramen zu verwenden, dann verwende einfacher "normale" Objektive und einen vernünftigen Nodalpunktadapter.


Gerne möchte ich Panoramen erstellen, die möglichst natürlich aussehen. Also in der Bildwirkung natürlich erscheinen. Im Kleinbild Bereich scheinen mir 40mm Objektive eine natürliche Bildwirkung zu haben. Kann ich also davon ausgehen das ein adaptiertes 40mm Mittelformat Objektiv die gleiche Bildwirkung hat? Durch das shiften möchte ich die natürliche Perspektive erhalten, aber sozusagen das Bild erweitern. Ist mein Ansatz so richtig?
Danke!

Die "Bildwirkung" ergibt sich (auch) durch den dargestellten Bildwinkel. Bei sehr großen Winkeln wirkt es immer unnatürlicher.
Egal ob es "geshiftet" erstellt wurde oder nicht.

Gib doch präzisere Infos zu den bevorzugten Motiven, dann können wir weiter ins Detail gehen.

3

Dienstag, 22. August 2017, 17:00

Bei Shift-Adaptern muss man grundsätzlich beachten, dass der Bildkreis des Objektivs ausreichend groß ist. In der Regel nimmt man deshalb z.B. Mittelformat-Objektive, um an einer Kleinbildkamera zu shiften.
Bei den meisten Objektiven ist es so, dass die Bildqualität im Randbereich deutlich geringer ist als in der Mitte. Beim Shiften werden aber genau diese Randbereiche genutzt.
Eine Verschiebung von mehr als 20 mm ist wegen des begrenzten Bildkreises nur selten sinnvoll. Angenommen, Du verwendest eine Kleinbildkamera mit einer Sensorgröße von 24x36 mm, dann wird das Bild 20+36+20 mm breit, also 76 mm. Die Diagonale beträgt dabei 79,7 mm. Ein Mittelformat-Objektiv, das für eine 6x6-Kamera gerechnet wurde, muss einen Mindestbildkreis von 79,2 mm abdecken (tatsächliche Kantenlänge des Rollfilms sind 56 mm). Bei 20 mm Shiften stößt Du also schon an die theoretischen Grenzen. Wenn Du auf APS-C fotografierst und Kleinbildobjektive verwenden willst, sind die Grenzen noch enger, rechne das einfach mal nach.

Insgesamt ist es besser, keinen Adapter mit irgendwelchen Objektiven zu verwenden, sondern besser tatsächliche Tilt-/Shift-Objektive, denn die sind so gerechnet, dass die Ränder eine höhere Qualität bringen. Man merkt das als Anwender zuerst am Preis, und danach an der Bildqualität.

Die Brennweite von 40 mm mag an einem kleinen Sensor einen gefälligen Bildeindruck erzeugen, aber wenn man shiftet, wird die Aufnahme weitwinkliger und behält den originalen Eindruck nicht bei. Das bedeutet, dass Motive im Randbereich deutlich in die Breite gezogen werden. Insbesondere fällt das auf, wenn Personen im Bild sind.
Ein 40-mm-Objektiv ist für das Mittelformat schon ein gutes Weitwinkel. Fotografiere damit auf Rollfilm, und beschneide das Bild oben und unten, dann erhältst Du das gleiche Bild wie beim Shiften, nur eben als EINE Belichtung. Das Shiften ist nichts anderes als das seitliche Vergrößern der Sensorfläche.

Beim Shiften sollte man übrigens beachten, dass man keine Parallaxenfehler erzeugt. Wenn (üblicherweise) die Kamera auf dem Stativ steht, und man das Objektiv verschiebt, dann gibt es aber Parallaxenfehler, die man bei allen Motiven sieht, die eine Tiefe haben, insbesondere bei denen im Vordergrund. Perfekt wäre, das Objektiv raumstabil zu halten, und die Kamera dahinter zu shiften, damit die Bilder im Überlappungsbereich den selben Inhalt haben. Ich würde das über eine parallel zum Sensor angebrachte Makroschiene machen, auf der ich die Kamera um das Shift-Maß in Gegenrichtung verschiebe, so dass die Eintrittspupille konstant bleibt.

Insgesamt würde ich das Arbeiten mit "normalen" Objektiven und einem sauber eingestellten Nodalpunktadapter vorziehen. Die Vorteile liegen darin, dass ich beliebig viele Aufnahmen nebeneinander (und sogar übereinander) machen kann, und den Gesamtbildwinkel damit frei bestimmen kann. Ebenso kann ich durch die Wahl der Brennweite bestimmen, wie hoch die Auflösung des gesamten Bildes ist.

Das Stitchen der Bilder von NPA-Aufnahmen ist unkompliziert, weil sie nahtlos zusammenpassen (saubere Einstellung vorausgesetzt). Das exakte Ausrichten des Bildes erfolgt im Stitcher. Auch die Wahl der Projektion (sphärisch, zylindrisch, planar) kann im Stitcher festgelegt werden. Je nach Motiv ist es mehr oder weniger sinnvoll, ein planares Bild zu erzeugen, weil die Verzerrung mit zunehmendem Bildwinkel unansehnlich wird. Die vernünftige Grenze würde ich bei max. 120-140° Bildwinkel ansetzen, bei Personenaufnahmen weniger, bei Landschaftsbildern auch etwas darüber.
Gruß vom pano-toffel

4

Dienstag, 22. August 2017, 17:18

Danke, ich würde halt gerne Panoramaaufnahmen machen, die wie eine 40mm Aufnahme an 36x24 wirken (also deren natürlichen Look, deren natürliche Empfindung der Raumtiefe haben), aber halt deutlich breiter sind. Mein Wunsch wäre das die groß ausgedruckten Bilder natürlich wirken. So als stünde der Betrachter wirklich dort. Sorry, ich weiß kaum wie ich das besser beschreiben soll.

soulbrother

Mega-User

Beiträge: 839

Wohnort: München

Beruf: Werbe- und Panoramafotograf, Fototrainer

  • Nachricht senden

5

Dienstag, 22. August 2017, 17:39

Danke, ich würde halt gerne Panoramaaufnahmen machen, die wie eine 40mm Aufnahme an 36x24 wirken (also deren natürlichen Look, deren natürliche Empfindung der Raumtiefe haben), aber halt deutlich breiter sind.

Einfach mit einer vergleichbaren Brennweite aufnehmen, also 40m an KB, dann oben und unten etwas wegschneiden, damit das Format breiter wird.
Was ist Dein Zielformat ?

6

Dienstag, 22. August 2017, 20:28

Hallo und herzlich willkommen, Winston,

an diesem Thema habe ich mich vor Jahren auch schon einmal versucht. Für "natürliche" Proportionen des Motives darf der Bildwinkel des Panoramas einfach nicht "zu" groß werden - egal welche Brennweite Du benutzt. Weitere Einzelheiten findest Du in diesem Thema:

http://www.panorama-community.de/wbb/ind…9377&highlight=
Herzliche Grüsse

Visual.Tom

Eine Auswahl meiner Panoramen

| D800 | 16er/10,5er Fisheye-Nikkor | Pano-Maxx | Capture NX2 | PTGui Pro | Panorama Studio 3 Pro |

7

Donnerstag, 24. August 2017, 01:41

Wenn man das Motiv geschickt auswählt, dann fällt nicht auf, wenn man horizontal mehrere Bilder zylinderförmig nebeneinander setzt – wie bei den angehängten Bildern. Dazu habe ich die Kamera auf einem einreihigen Nodalpunktadapter im Halbkreis gedreht. Um so kürzer die eingesetzte Brennweite ist, um so eher fällt ein »Bauch« in der Mitte des Bildes auf, scheint der linke und rechte Bildrand nach hinten zu weichen.

Ein Shiftobjektiv planparallel nach rechts und links zu verschieben, um damit einen größeren Bildwinkel zu erreichen, ist mühsam und die Wirkung eher mäßig. Für die Nikonobjektive gibt es dazu einen extra Stativ-Adapter, bei dem das Objektiv eingespannt wird und die Kamera dahinter frei schwebt. Damit erreicht man mit einem 24 mm PC-E einen Bildwinkel, der in etwa einem 14 mm Objektiv entspricht. Allerdings darf man die maximale Verschiebung der Objektive nicht ausnutzen, weil dann der Randlichtabfall doch sehr deutlich und kaum beherrschbar wird. Obwohl die Objektive einen Shift von 11 mm zulassen, nutze ich selten mehr als 8 mm aus. Das heißt, mit diesen dafür gerechneten Objektiven könnte man ein Aufnahmeformat von 24x36 mm auf 24x52 mm erweitern.

Ein Shiftobjektiv ist hauptsächlich dann von Vorteil, wenn man die Kamera nicht nach oben oder unten neigen möchte, um den bei waagerechter Ausrichtung genau in der Mitte befindlichen Horizont zu verschieben. Oder nach dem Zusammenfügen das Bild oben bzw. unten nicht beschneiden will. Und so kam im ersten Bild ein 45 mm Shift und im zweiten Bild ein 85 mm Shift jeweils im Porträtmodus (hochkant) an einer Nikon D80 zum Einsatz. Bei der letzten Ausstellung auf 150x50 cm Alu-Dibont-Platten vergrößert, konnten sich die Besucher daran die Nase platt drücken – und trotzdem nicht über die Qualität meckern.
»mulex« hat folgende Dateien angehängt:
  • 110424_2.jpg (244,2 kB - 34 mal heruntergeladen - zuletzt: 22. November 2017, 12:55)
  • 120520_3.jpg (237,95 kB - 27 mal heruntergeladen - zuletzt: 18. November 2017, 03:46)

marijonas

Mega-User

Beiträge: 2 818

Wohnort: Kaufbeuren

Beruf: Wasserträger

  • Nachricht senden

8

Montag, 28. August 2017, 09:19

Grüß Dich Winston,

ich habe Mal eine Ausstellung gesehen, wo eine Amerikanerin Zum-Tode-Verurteilte an ihren Tatorten fotografiert hatte.
Ich war von der realistischen Perspektive dermaßen überrascht und habe eine Erklärung dafür gesucht.
Zum einen waren die Kunstwerke lebensgroß und extrem hoch aufgelöst. Das lag daran, dass eine Großformatkamera verwendet wurde so ca. DIN A4, wenn ich mich recht erinnere. Durch den relativ nahen Abstand bei der Aufnahme kam eine kurze Brennweite zum Einsatz.
Der Abstand entsprach dann in etwa dem Abstand beim Betrachten in der Galerie.
DAS ist meiner Meinung nach DAS Entscheidende, ob die Perspektive realistisch/gewohnt erscheint.

Anmerkung: Bei Kugelpanoramen entsteht das quasi dynamisch im Kopf, wo der kompletten Raum zusammengesetzt wird und beliebig der Betrachtungswinkel/Fokus auf Details gesetzt werden kann, wie man sich eben in einem Raum umsehen würde (kleine Einschränkung: beim Betrachten der Details in einem Raum würde man näher heran gehen, womit sich die Perspektive schon etwas ändern würde.

Vielleicht hilft Dir ja die Information weiter oder dient zumindest als Beispiel, wie realistische Darstellung gelingt.

Richard